Für Journalist:innen gehört das Texten mit KI zunehmend zum Alltag. Künstliche Intelligenz verändert, wie Ideen entstehen, geschärft und in Form gebracht werden. Ich stelle dir meinen Workflow für das Arbeiten mit KI vor.
Viele Redaktionen und Journalist:innen, die anfangen mit KI zu arbeiten, haben ähnliche Fragen im Kopf: Wie viel darf ich der KI überlassen? Ist das am Ende noch mein Text? Und klingt das überhaupt noch nach mir? Dazu kommt die ganz praktische Frage: Geht das wirklich schneller – oder mache ich mir damit nur mehr Arbeit?
In diesem Artikel möchte ich dir zeigen, wie sich mein Workflow durch KI-Chatbots verändert hat, wie ich KI beim Schreiben konkret einsetze – und wo ganz bewusst nicht.
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Die Ideenfindung: Kreativität bleibt menschlich
Oft höre oder lese ich, dass KI auf Knopfdruck brillante neue Ideen liefert. Meine Erfahrung ist eine andere: KI liefert oft oberflächliche Ergebnisse und keine echten Neuheiten. Das liegt in der Natur der Sache, denn Sprachmodelle basieren auf Wahrscheinlichkeitsrechnungen. Sie kombinieren das, was bereits existiert. Echte Kreativität und völlig neue Gedanken, die es so noch nie gab, sind mit KI in der Regel nicht möglich.
Natürlich sind auch Ideen von Menschen selten gänzlich neu. Dennoch stelle ich oft fest, dass die Vorschläge einer KI nicht den Kern der Geschichte treffen, die ich erzählen möchte. Deshalb entstehen meine Themenideen fast immer ohne KI: im Alltag, beim Lesen, im Gespräch oder einfach zwischendurch. Ich halte sie in Notizen fest und entwickle sie dort weiter.
Wo die KI dennoch hilft: Wenn ich eine vage Idee habe, sie aber noch nicht „scharf“ ist, nutze ich die KI als Sparringspartner. Sie kann mir kritisches Feedback geben, einen ersten Erzählansatz entwickeln oder mich auf Aspekte hinweisen, die in meiner Geschichte noch fehlen könnten.
Der erste Aufschlag: Das Fundament legst du
Das Grundgerüst eines Textes – die Argumente, die Struktur und die Kernbotschaft – ist das Herzstück meiner Arbeit. Diesen Teil gebe ich nicht an die Maschine ab.
Bevor ich die KI involviere, schreibe ich stichpunktartig auf, was ich erzählen will. Ich recherchiere Fakten und gieße alles in ein strukturiertes Dokument. In dieser Phase merke ich selbst am besten: Ist der rote Faden logisch? Muss ich einen Gedanken nachschärfen? Fehlt noch eine Quelle?
Bonus-Tipp: Wenn du nicht gerne tippst, kannst du der KI deine Gedanken einfach diktieren. Sie hilft dir dabei, dein „Brainstorming“ sauber mitzuschreiben und zu sortieren.
Der Text-Entwurf: Die KI als Formulierungshelfer
Erst wenn das „Was“ und das „Wie“ feststehen, darf die KI wieder mitspielen. Ich füttere sie mit meinen losen Gedanken, Stichpunkten und Informationen.
Ich nutze hierfür gerne Multi-LLM-Chatbots, um die Entwürfe verschiedener Sprachmodelle direkt zu vergleichen. Ich nehme mir dann die besten Passagen und füge sie in mein Dokument ein. So entsteht Stück für Stück ein Fließtext, der auf meinen Ideen und Fakten basiert.
Das Redigieren: Den Feinschliff behalten
Sobald die Rohfassung steht, geht es ans Polieren. Hier ist die KI eine enorme Unterstützung:
- Feedback einholen: Ich frage die KI nach sprachlichen Fehlern oder inhaltlichen Ungenauigkeiten. Die erkennt sie meist sehr zuverlässig.
- Gegenlesen: Danach bin ich wieder an der Reihe. Ich lese den Text kritisch, lösche komische Formulierungen und ergänze meine persönliche Note.
- Abgleich: Ich kontrolliere, ob die ursprüngliche Intention, die ich im Kopf hatte, auch wirklich im Text steht. So stelle ich sicher, dass es mein Text bleibt.
Veröffentlichen: Suchmaschinen und Teaser
Kurz vor dem Ziel hilft die Technik noch einmal bei den handwerklichen Details. Wenn es um Suchmaschinenoptimierung oder das Einkürzen von Absätzen geht, sind KI-Systeme Gold wert. Auch für kreative Überschriften-Vorschläge oder kurze Teaser-Texte für Social Media nutze ich die Tools regelmäßig als Inspirationsquelle.
Mein Fazit: Dialog statt Knopfdruck
Die wichtigste Erkenntnis meiner Arbeit mit KI? Die Maschine kann niemals allein einen Text schreiben, der genau so klingt wie du – weder inhaltlich noch in deiner speziellen Tonalität.
Aber: Für alle, die ungern vor einem leeren weißen Blatt sitzen, ist die KI eine wunderbare Partnerin. Man tritt in einen Dialog, entwickelt Gedanken weiter und hat quasi immer einen „Korrektor“ an der Seite. Das ist besonders für freie Journalist:innen wertvoll, die sonst häufig niemanden zum Gegenlesen haben.
Arbeiten mit KI bedeutet nicht zwingend, dass man schneller fertig ist. Aber der Computer ist eine wertvolle Hilfe für Inspiration, Struktur und das Finden der richtigen Worte. Am Ende bleibt es jedoch dein Name, der über dem Artikel steht – und dafür musst du auch die geistige Vorarbeit leisten.

