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Bahn-Lifehacks: Die besten Tipps für deine nächste Zugreise

Wenn ich mit Menschen über meine Begeisterung für Züge und Bahnreisen spreche, bekomme ich immer wieder ähnliche Fragen gestellt: Ist der Zug nicht immer zu spät? Ist Zugfahren nicht super teuer? Ist es nicht mega kompliziert, ein günstiges Ticket zu finden? Meine Antworten auf die drei Fragen lauten immer “nein”.

Einige Tricks und Kniffe muss man aber einfach mal gehört haben. Deshalb habe ich die wichtigsten Lifehacks zusammengetragen, die ich gerne vor meiner ersten Zugfahrt gekannt hätte.

Bahn-Lifehacks: Vor der Reise

Günstigste Tickets buchen

Ja, Flexpreis-Tickets (also der komplett flexible und umbuchbare Tarif für eine Verbindung) sind in der Regel ziemlich teuer. Deshalb würde ich bei einer planbaren Reise empfehlen, einen Sparpreis zu buchen. Die Tickets sind nur bedingt stornierbar und du legst dich auf eine Verbindung fest, sparst dadurch aber in der Regel eine Menge Geld.

Seit einiger Zeit unterscheidet die Bahn zusätzlich zwischen dem Tarif Sparpreis (mit ÖPNV-Anbindung am Start- und Zielbahnhof und Stornierung gegen Gebühr) und dem Tarif Super Sparpreis (ohne ÖPNV-Ticket und Stornierungsoption). Das Busticket am Start- und Zielort ist meist günstiger als der Aufpreis zum Tarif Sparpreis. Deshalb kannst du ruhig zum Tarif Super Sparpreis greifen und nochmal etwas Geld einsparen.

Die Sparpreis-Tickets sind aber kontingentiert, also nicht immer auf allen Verbindungen und Strecken günstig. Deshalb lohnt es sich in vielen Fällen, die Website Bahn-Guru und den DB-Sparpreisfinder zu checken. Beide Tools ermöglichen dir einen Überblick über die günstigen Tickets in einer Kalenderübersicht zu deiner geplanten Verbindung.

Wenn du auch dort kein günstiges Ticket findest, hilft MyTrain. Unter dieser Marke verkauft der Bahn-Kooperationspartner ProSiebenSat.1 zuggebundene Bahntickets zu einem Pauschaltarif. Das lohnt sich gerade auf längeren Strecken quer durch Deutschland. So kommst du Beispielsweise von Berlin nach Stuttgart oder München und wieder zurück für knapp 80 Euro. Auch der Discounter Lidl bietet in Aktionen ähnliche Konditionen an.

BahnCard

Eine BahnCard lohnt sich oftmals schon ab der ersten Bahnreise. Die Kalkulation ist ziemlich einfach, denn mit der Bahncard sparst du nochmals 25 Prozent auf den Sparpreis deiner gewählten Verbindung. Ein Sparpreis Berlin-München in der kommenden Woche kostet in der zweiten Klasse ohne BahnCard knapp 80 Euro. Mit einer BahnCard kostet die gleiche Verbindung nur noch knapp 60 Euro.

Nach Hin- und Rückfahrt hast du also etwa 40 Euro gespart. Die BahnCard25 für die zweite Klasse kostet pro Jahr etwa 56 Euro und wenn du jünger als 27 Jahre alt bist sogar nur 35 Euro pro Jahr. Und wenn du nur die eine Reise antreten möchtest, kannst du auch eine Probe BahnCard abschließen, die kostet 18 Euro, auf der Verbindung Berlin-München also 22 Euro gespart.

Reservierung

Für Bahn-Anfänger:innen ist ein fehlender Sitzplatz eine große Angst. Ich persönlich finde, vier Euro für einen garantierten Platz ohne Stress sind ihr Geld wert. Es geht auch, die Reservierung einzeln über bahn.de zu buchen, wenn man schon ein Ticket hat, das man zum Beispiel über MyTrain oder Lidl gebucht hat. In der ersten Klasse ist der Sitzplatz inklusive.

Reservieren geht auch kurzfristig, bis der Zug seinen Startbahnhof verlassen hat. Danach nicht mehr, weil die Diskette (lol) mit den Reservierungen am Startbahnhof eingespielt wird. Es gibt in vielen Zügen auch ein Restkontingent (“ggf. freigeben”), das auf stark nachgefragten Verbindungen schnell ausgeschöpft sein kann.

Packliste

Neben deinem Ticket in der DB-Navigator-App empfehle ich immer, eine Flasche Wasser einzupacken. Die hat mir bei längeren Verspätungen schon einiges an Stress erspart. Geräuschunterdrückende Kopfhörer sind meiner Meinung nach eine sinnvolle Investition, wenn du häufiger mit dem Zug verreist. Ich habe außerdem immer Teebeutel dabei. Denn: Heißes Wasser in einer Tasse gibt’s im Bordbistro oder Bordrestaurant immer kostenlos.

Bahn-Lifehacks: Während der Reise

Sitzplatz finden

Wie ich oben beschrieben habe, würde ich immer eine Sitzplatzreservierung empfehlen. Komm am besten etwa 15 bis 20 Minuten vor Abfahrt deines Zuges ans Gleis und suche den Wagenstandsanzeiger. Die Übersicht zeigt dir, welcher Wagen zwischen welchen Buchstaben (A bis F) anhält. Du kannst dich also schonmal auf die richtige Höhe des Gleises stellen.

Den Wagenstandsanzeiger gibt auf ausgewählten Verbindungen auch im DB Navigator oder noch einfacher und meiner Meinung nach übersichtlicher auf der Website marudor.de. Dort wählst du deinen Bahnhof aus, klickst auf deinen Zug und kannst dich dann durch die digitale Wagenreihung swipen.

Steige am besten nicht einfach so in deinen Wagen ein, sondern achte auf die Platznummern, die außen neben der Tür stehen. Der Zug empfiehlt dir nämlich eine passende Tür zum Einstieg — passend zu deiner Sitzplatznummer. Laufe außen am Wagen entlang, um die richtige Tür zu benutzen. So vermeidest du, andere Reisende zu stören, weil du quer durch den Wagen musst, um zu deinem Sitzplatz zu kommen.

Ohne Reservierung lohnt auch ein Blick auf den Wagenstandsanzeiger, egal ob analog oder digital. Denn: Die Bahn vergibt die Reservierungen immer in beide Richtungen vom Bordrestaurant, das in der Mitte des Zuges ist und erste und zweite Klasse in der Regel von einander trennt. Die höchste Wahrscheinlichkeit, einen nicht reservierten Sitzplatz zu erwischen, hast du also am Ende oder Anfang des Zuges — je nach Wagenklasse. Auch dort kannst du dich schon hinstellen und dann versuchen, die erste Person im Wagen zu sein.

Eine Bitte im Namen der anderen Fahrgäste: Bitte steige nicht in irgendeinen Wagen ein, um dann durch den ganzen Zug zu deinem Sitzplatz zu kommen. Das sorgt für zusätzliches Chaos. Und: Die Bahn-Comfort-Plätze sind für alle Vielfahrer:innen reserviert. Nur Inhaber:innen eines Comfort-Status bei der Bahn dürfen diese Plätze nutzen, andernfalls kannst du von der:dem Zugbegleiter:in gebeten werden, aufzustehen. Den Stress kannst du vermeiden, wenn du direkt einen unreservierten Platz suchst.

Ruhebereich

Es gibt in beiden Klassen des Zuges in der Regel zwei Abteiltypen: den Ruhebereich und den Handybereich. Im Ruhebereich sind Telefonate und laute Gespräche nicht erwünscht. Im Handybereich gibt es gesonderte Verstärker fürs Handysignal. Dort steht deinem Telefonat also nichts im Wege. Wenn du mit deiner Familie reist, gibt es gesonderte Familienbereiche oder Abteile, die für dich reserviert sind. Alternativ würde ich den Handybereich empfehlen, um andere Reisende nicht zu stören.

Verspätungen

Das Verspätungs-Image der Deutschen Bahn kommt nicht von ungefähr. Züge verspäten sich oder fallen aus — auf einigen Verbindungen mehr als auf anderen. Das ist aber nicht die Regel: Im Jahr 2019, vor der Pandemie, hatte ich etwa 80 Reisen im Fernverkehr. Nur sechs davon waren mehr als 10 Minuten verspätet. Mir fällt auf, dass sich vor allem Menschen über die Bahn aufregen, die nicht so häufig mit ihr unterwegs sind.

Im Falle einer Verspätung gelten in der Regel zwei Grundsätze: Ruhe bewahren und Alternativen prüfen. Sich über die Bahn und einzelne Mitarbeiter:innen aufzuregen bewegt den Zug um keinen einzigen Millimeter. Zugbegleiter:innen sind in der Regel genau so erschöpft wie du und können nichts an der Situation ändern. Wenn du noch nicht im Zug sitzt und ein Zug ausfällt, hilft dir der DB Navigator oder marudor.de eine Ersatz-Verbindung zu finden.

Ein weiterer praktischer Tipp: Ab 20 Minuten absehbarer Verspätung deines Zuges, wird die Zugbindung deines Sparpreis-Tickets automatisch aufgehoben und du kannst eine andere Verbindung auf der gleichen Route wählen. So kannst du auch in einen ICE steigen, obwohl du vielleicht nur ein IC-Ticket gebucht hast. Manchmal ist man dadurch sogar noch schneller am Zielort, als eigentlich geplant.

Bahn-Lifehacks: Nach der Reise

Erstattung

Wenn du mehr als 60 Minuten später am Zielort ankommst als geplant, steht dir eine Entschädigung in Höhe von 25 Prozent deines Ticketpreises pro Richtung zu. Ab 120 Minuten sind es 50 Prozent.

Um das Geld zu bekommen, kannst du dir bei der:dem Zugbegleiter:in oder am DB Infopoint im Bahnhof ein Fahrgastrechte-Formular geben lassen. Das füllst du aus und bekommst das Geld in der Regel innerhalb von vier Wochen auf dein Konto überwiesen. Das Formular gibt es in der Regel auch online, der Vorteil vom analogen Formular ist aber: Es steckt in einem Umschlag, für den die DB das Porto übernimmt. Die Briefmarke sparst du dir also auch. Die Gute Nachricht: Ab dem Sommer 2021 soll die Erstattung komplett digitalisiert werden.